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politnews 2016-31 – Sommeredition – Berlin im Wahlkampfmodus

„Macht weiter so, macht uns zu Helden, nennt unsere Namen, zeigt unsere Gesichter möglichst oft und möglichst groß, zeigt eingeschüchterte, fliehende Menschen, zeigt weinende Väter und Mütter, die gerade ihr Kind verloren haben und macht Euch zum Deppen- nicht uns.“ Mit diesem Aufruf wendet sich W&V-Chefredakteur Jochen Kalka in einem offenen Brief voller Ironie an Medien und Social Media Kanäle. Er kritisiert massiv den medialen Umgang mit Amokläufern und Terroristen. Dieser fördere und bestätige deren Taten geradezu, mache die Täter zu Opfern, so Kalka. Die Universität Zürich hat derweil in einer Studie herausgefunden, dass die meisten Personen Hasskommentare unter ihrem Klarnamen posten. Das mag zunächst überraschen. Die Studienautoren erklären das Phänomen dadurch, dass die Postings somit authentischer und mobilisierender wirken und Hassstürme somit sogar noch steigern könnten. Mit den Potenzialen des Internets für bürgerschaftliche Teilhabe und politische Kommunikation, aber auch mit den Gefahren ihres Missbrauchs wird sich das neu gegründete Düsseldorfer Institut für Internet und Demokratie (DIID) beschäftigen. Das Institut, welches aus dem NRW-Forschungskolleg „Online-Partizipation“ hervorgegangen ist, vereint 19 Wissenschaftler aus unterschiedlichen Disziplinen. Die von der AfD gewünscht soziale Kontrolle richtet sich nun gegen die Partei. Erst konnte sie keine Wahlkampfagentur in Deutschland finden und dann keinen Anzeigenplatz. Zumindest der Tagesspiegel lies auf die Anfrage der Partei wissen: „Wir sind nicht sicher, ob die Nachbarschaft unserer Zeitung zu Ihnen passt. Vielleicht versuchen Sie es erst einmal bei der Nationalmannschaft.“ Auch Die ZEIT setzt den AfD-Horrormeldungen etwas entgegen und spielt den Nutzern ihrer App nun täglich eine positive Nachricht aufs Handy. Für all diejenigen, die sich wie wir immer mal wieder vor Augen halten müssen, dass es uns rational gesehen gar nicht so schlecht geht, ist das sicher einen Versuch wert. Richtig kurz und innovativ ist es zwar nicht geworden, aber immerhin nun im Internet und im Kino zu sehen: das verfilmte Wahlprogramm der Berliner CDU. 30 Minuten dauert der professionell produzierte Film, der in 12 Kapiteln sowohl eine Bilanz…

politnews 2016-30 – Sommeredition – Trump vor Clinton

Die neusten Umfragen sehen Donald Trump vor Hillary Clinton – trotz des choatischen Wahlkampfauftaktes – oder vielleicht auch gerade deshalb. Das republikanische Establishment versuchte noch einmal, den ungeliebten Kandidaten aufzuhalten und auch die Familie Trump gab sich alle Mühe, sich mit einer von Michelle Obama abgekupferten Rede für Melania Trump selbst Steine in den Weg zu legen, doch das alles scheint Trump nichts anzuhaben. Kampagnenberater Julius Van de Laar analysiert für n-tv den Parteitag. Das Team der demokratischen Präsidentschaftskandidatin Hillary Clinton tut derweil alles, um den Bann zu brechen. Nach Hillary-Emojis setzt man jetzt sogar auf Pokémons. Ein weiterer PR-Gag ist eine Art „Wetten dass“-Beitrag: Schaffen wir es, alle Rechtsstreitigkeiten, in die Donald Trump bisher verwickelt war, in einer Zeit von unter vier Stunden vorzulesen? Top die Wette gilt: facebook.com . Nach den Wahlkampf-Dramen gibt es auch noch good news aus Amerika: US-First Lady Michelle Obama hat uns wieder einmal mit ihrem Charme bezaubert, während sie auf dem Beifahrersitz des Comedian James Corden bei einer Fahrt rund um das White House nicht zuletzt ihr großartiges Gesangstalent unter Beweis stellte. Auch US-Außenminister John Kerry präsentierte sich in der letzten Woche von seiner besten Seite. Er rettete den neuen britischen Außenminister Boris Johnson bei seinem ersten Auftritt vor den Journalisten. Diese hatten Johnson bei der Pressekonferenz mit seinen markigen Sprüchen gegen US-Politiker konfrontiert. Zum Abschluss gibt es auch noch paar Nachrichten aus Deutschland. Anlässlich der Bundestagswahl 2017 wirft der NDR einen Blick auf die Politiker, die derzeit noch in der zweiten Reihe stehen, nach der Wahl aber wichtig werden könnten. Entscheidend ist dabei natürlich die Regierungskoalition. Immer lauter werden die Stimmen, die ein rot-rot-grünes Bündnis – kurz #r2g – favorisieren. Steile These oder realistisches Szenario? Sebastian Frevel, Geschäftsführer der Politikberatungsagentur Advice Partners, gibt einen Überblick über die einschlägigen Pressequellen. Ein solches r2g-Bündnis würde auch die Wahrscheinlichkeit für ein verpflichtendes Lobbyregister erhöhen. Einen konkreten Gesetzesvorschlag für ein „Bundeslobbygesetz“ haben Lobbycontrol…

politnews 2016-29 – Sommeredition – Mehr Demokratie wagen

Am Wochenende ist die Welt wieder ein Stück mehr in Unordnung geraten. Wir bei polisphere e.V. fragen uns regelmäßig, was wir zur Stabilisierung der Lage beitragen können. Zum Glück scheinen wir nicht die Einzigen zu sein, die sich Gedanken dazu machen, deshalb stellen wir heute den Verein „Artikel 1 Initiative für Menschenwürde e.V.“ vor. Dort haben sich einige bekannte Kommunikatoren wie Kajo Wasserhövel, Michael Donnermeyer und Hans Langguth mit weiteren Engagierten zusammengetan, um eine „Kampagnenstruktur für Demokratie“ aufzubauen. Ein Ziel des Vereins ist es, bis zur Bundestagswahl eine „wuchtige Kampagne für Demokratie und Menschenwürde in Deutschland“ zu entwickeln und mit einzelnen Bausteinen aus der „Demokratiefabrik“ alle zu unterstützen, die ähnliche Ziele verfolgen und bei der Kommunikation noch etwas Hilfe brauchen. Wer sich angesprochen fühlt, kann einfach mitmachen. Woher der Bedarf für ein solches Engagement kommt, analysiert der Politikwissenschaflter Oskar Niedermayer in einer aktuellen Studie. Demnach haben die etablierten Parteien, die bisher den politischen Diskurs organisiert haben, seit 1990 die Hälfte ihrer Basis verloren. So gingen die Mitgliederzahlen von 2,4 Millionen im Jahr 1990 auf heute 1,2 Millionen zurück. Es bleiben also immer weniger interessierte Menschen, die sich der Diskussion auf dem Marktplatz, vor dem Supermarkt oder am Stammtisch stellen und politische Prozesse erklären. Eine neue Chance für diesen Annäherungsprozess an den politisch ungebundenen Bürger bietet unter anderem die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus am 18. September. Der Tagesspiegel hat die Lage in den Berliner Bezirken studiert und wagt die Prognose, dass die SPD einige Bürgermeisterposten an die Grünen und die Linke verlieren wird. Um der AfD etwas entgegenzusetzen, raten Wahl- und Sprachforscher zu mehr Gefühl in der Politik. Reine Vernunftargumente seien nicht ausreichend. Eine eigene humorvolle und kreative Ansprache „für gegen digitalen Hass“, den insbesondere AfD-Anhänger verbreiten, hat die No Hate Speech Bewegung gefunden. Sie wirbt für ein Netz ohne Hasskommentare und ruft die Bürger dazu auf, „laut und freundlich“ Position zu beziehen: „Hass ist…

politnews 2016-27 – #CKPT – Wochenende der politischen Kommunikation

Das Interesse am CHECKPOINT political consulting ist auch in diesem Jahr wieder riesig und die ersten 80 Early Bird-Tickets sind schon weg! Für alle, die noch unentschlossen sind, haben wir hier noch einmal die Highlights des #ckpt16: Freuen können Sie sich schon jetzt auf unser neues Format – den Professionals Lunch in Harry’s New-York Bar im Grand Hotel Esplanade. Wenn auch Sie Ihr Netzwerk erweitern und mit den Profis der Politikberatung in kleiner Runde ins Gespräch kommen wollen, dann einfach hier anmelden: www.ckpt.org Der CHECKPOINT bietet aber noch viele weitere Gelegenheiten für spannende Gespräche. Über die Trends der Politikberatung diskutieren können Sie unter anderem mit Sebastian Frevel, Geschäftsführer bei Advice Partners, dessen Thesen wir vorab als expert opinion auf polisphere veröffentlicht haben: polisphere.eu Wer immer noch überlegt, ob sich die Reise nach Berlin lohnt, für den haben wir noch einen kleinen Tipp: Wer aus dem CHECKPOINT-Tag ein Wochenende der Politischen Kommunikation machen will, dem sei die 14. IKPK der Konrad-Adenauer-Stiftung (9.-10. Oktober) empfohlen. (kas.de) Das CKPT-Team freut sich auf Sie! Ihre Dr. Sandra Busch-Janser PS: Haben Sie sich entschieden? Dann einfach den Aktionscode bei der CKPT-Anmeldung nutzen und 10 Euro auf den regulären Ticketpreis sparen: CKPTviaPLSPHR Hier kommen Sie zur Ausgabe von politnews: politnews.eu

politnews 2016-26 – When the going gets tough…

Während in London Funkstille herrscht und niemand so recht weiß, wie es nun mit Little England, dem vereinten Irland, dem unabhängigen Schottland, Kerneuropa und den anderen über das Wochenende neu geschaffenen Entitäten weitergehen soll, haben die Spanier ein neues Parlament gewählt. Die Wähler dort vertrauten ihre Stimme mehrheitlich den etablierten Parteien an, doch welche Koalition sich daraus ergibt, ist noch unklar. Das Ergebnis deutet aber darauf hin, dass das Brexit-Referendum zumindest ein paar von jenen wachgerüttelt hat, die ihre Stimme bisher leichtfertig an die Populisten verschenkten oder sie gar nicht erst nutzten. Ein Weckruf ist das Ergebnis aber auch für die alteingesessenen Politikvertreter. Wenn es ihnen zukünftig nicht besser gelingt, junge Menschen einzubinden, Perspektiven zu entwickeln und glaubwürdig die Interessen der Bürger zu vertreten, treiben sie nicht nur ihren eigenen Untergang voran, sondern auch den des europäischen Gemeinschaftsprojekts. Wie politisches „Leadership“ in der Praxis funktionieren kann, damit beschäftigt sich die aktuelle Ausgabe von Politik & Kommunikation. Ein Blick ins Heft lohnt dieser Tage ganz besonders. Hier kommen Sie zur Ausgabe von politnews: www.politnews.eu/

expert opinion

Veit Medick: Three great things about America’s crazy campaign season

Yes, it is a crazy campaign season in the United States. Before it all began in summer of 2015 hardly any American would have thought that a TV-star without the slightest political experience will end up as the Republican nominee for President of the United States. Over the last 12 months the Grand Old Party has been fighting a bitter war about what it stands for, which parts of the modern society it still wants to represent and how much Donald Trump will hurt conservatism. This battle has at times been so extreme that when Republicans argued on national TV some form of parental guidance seemed necessary. The discussion on the other side of the political aisle may have been more civilized, but the monthslong combat between Hillary Clinton and Bernie Sanders only showed how fractured the Democrats are as well. Combine that with the gridlock in Washington in pretty much every sensitive issue and you may find that the political system in the United States is in an existential crisis. As a European and – more specifically – a German observer I tend to disagree with this diagnosis. Certain aspects of what is going on in the presidential campaigns are surely  daunting but I find it worth noting that the flashiness of the Trumpian circus overshadows that politics in America are still quite interesting and inspiring and might – to some extent – even offer advantages over our system. Three observations. First: Voters have pretty clear alternatives. We cannot fully say that about politics in Germany and other parts of Europe where parties tend to compromise in most major issues to an extent that they have become indistinguishable. Americans can choose and both ways have totally different consequences. What is true for most presidential elections is certainly true this year.…

Sebastian Frevel: What´s next? „Mehr vom Gleichen, nur besser!“

Wer Trends in der Public Affairs Beratung analysiert kann sehr viel Beständigkeit entdecken. Stürmischer Wandel findet woanders statt. Das Umfeld wandelt sich. Doch überraschend vieles bleibt für gute Public Affairs Beratung unverändert gleich. Es gibt neue Public Affairs Trends, viele sogar, aber das Grundmuster bleibt erhalten: Menschen treffen auf Menschen und wollen eine Mehrheit für ein politisches Anliegen organisieren. Die Frage ist: Wann muss mit wem, wie und worüber gesprochen werden? Der notwendige Grundstoff für die richtigen Antworten ist Information. Und das ist, was Interessenvertreter machen: Sie handeln mit diesen Informationen. Und alle Händler bewegen sich von der Gesetzesinitiative bis zur letzten Lesung auf und neben der immer gleichen Handelsroute politischer Gesetzgebung. An den Kreuzungspunkten nutzen sie dann ihre Kommunikationsinstrumente, um mit den Zielgruppen in Verbindung zu kommen. Das ist ein gleichbleibendes Muster. Und trotzdem: etwas scheint sich verändert zu haben. Fragt man die Eminenzen und Oberlobbyisten der Bonner Republik, ist in Berlin kein Stein auf dem anderen geblieben. Wie kommt das? „Es ist irgendwie brutaler“, beklagt sich ein Interessenvertreter der alten Schule. Gemeint ist der Wettbewerb um Aufmerksamkeit. Es ist dabei nicht die Art Aufmerksamkeit, die man vornehmlich durch große Werbekampagnen erlangen kann. Es ist die Art von Aufmerksamkeit, die auf persönliche Anerkennung aus ist. Durch die spannendste, ergiebigste Geschichte, durch Vorsprung an Information, durch kluge Kompromisse, Vertrauen und durch regelmäßige Begegnungen. Das alles braucht Zeit und Raum: beides scheint abhandengekommen zu sein. Der Rebound-Effekt der Berliner Republik ist teuer Mehr und mehr Interessenvertreter drängen auf die Straße und kämpfen um Aufmerksamkeit. Dabei unterscheiden sich gestern wie heute wohl eher die Budgets als die Strategien: was zählt sind persönliche Beziehungen, Erfahrung, Allianzen, Studien, Anhörungen, fachlich gute Stellungnahmen, eindrucksvolle Events, Politikbriefe und Newsletter, Presse und Medienarbeit für die einfache Botschaft und natürlich eine gute Geschichte. Was festzuhalten ist: die Straße…

Christina Bauermeister: Die neuen Alleskönner

bauermeister

Welche Fähigkeiten sollten Bewerber mitbringen, um in politiknahen Berufen zu arbeiten? Wo sind Generalisten richtig, wo Spezialisten – und welche Jobaussichten eröffnen die neuen Studiengänge? Dort, wo vor 150 Jahren noch Dampflokomotiven montiert wurden, schaut Axel Wallrabenstein aus dem Fenster auf die neue, alte Hauptstadt. Der Geschäftsführer der Public-Affairs-Agentur MSL Group sitzt im fünften Stock einer Fabrikhalle, ein Überrest der früheren Borsig-Werke. Seit zwölf Jahren arbeitet er in Berlin. Im Zeitraffer habe er miterlebt, wie der Politikbetrieb einen eigenen Stadtteil geschaffen hat. Dort, wo einst der Todesstreifen die Stadt in zwei Hälften teilte, stehen nun wuchtige Gebäude. Ministerien, Stiftungen, Hauptstadtrepräsentanzen, Verbände, NGOs. An die Bonner Behaglichkeit erinnern nur noch die rheinischen Kneipen am Spreeufer. „Die Berliner Republik ist lauter, schneller, chaotischer“, sagt Wallrabenstein. Und die „Berlinisierung“ (Ulrich von Alemann) hat auch die Anforderungen an Neulinge in allen politiknahen Berufen verändert. In der Public-Affairs-Branche habe sich vor allem die Art gewandelt, wie kommuniziert wird, meint Wallrabenstein. Als professioneller und internationaler charakterisiert er seine Zunft. Politik finde nicht mehr nur in Hinterzimmern statt. „Man trifft sich heute bei Podiumsdiskussionen, Netzwerkpartys, politischen Salons und zunehmend auch im Internet“. All dies bedeute vor allem eins: Berufseinsteiger sollten am besten schon während des Studiums ein Netzwerk an Kontakten aufbauen. „Optimal“ sind in den Augen des Beraters Bewerber, die politisches Engagement, Auslandserfahrung und ein Praktikumszeugnis mit dem Bundesadler im Briefkopf vorweisen können. „Wir brauchen Leute, die am eigenen Leib miterlebt haben, wie Politik funktioniert“, so der 48-Jährige. Entgegen dem Wort-Ursprung hält der studierte Politik- und Sozialwissenschaftler die sogenannten weichen Faktoren sogar für ziemlich schwergewichtig. In dem Job treffe man jeden Tag auf Alpha-Tiere. Da sei Durchsetzungskraft gefragt. Von einem allzu übersteigerten Ego warnt Hans Bellstedt dem Branchenneuling aber. „Die Kunst liegt darin, sich gegenüber dem Kunden selbst zurückzunehmen.“ Bellstedt ist Inhaber der nach ihm benannten Public-Affairs-Agentur…

Cornelius Winter: Auf die Haltung kommt es an – Public Affairs im Wandel

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Für das Handelsblatt ist die Sache klar: „Wir brauchen Unternehmer, die sich kompetent einmischen“. (Handelsblatt, 18. April 2012). Seit dem Umzug von Parlament und Regierung nach Berlin hat sich Public Affairs als Funktion in Unternehmen und als Beratungsfeld fest etabliert. Heute, nach mehr als einer Dekade Public Affairs in Deutschland und dem Ende des bloßen Adressbuch-Lobbyismus stellt sich die Frage: What’s next? Was bedeuten verantwortliche Interessenvertretung, glaubwürdige Kommunikation und kompetenter Umgang mit Stakeholdern für Strategie und Geschäftsmodell von Unternehmen – und welche Rolle spielt Beratung dabei? Sich kompetent einmischen – kann man es so auf den Punkt bringen? Der folgende Beitrag liefert neben einer Bestandsaufnahme der politischen Beratung Thesen für die künftige Entwicklung von Public Affairs. Aus sehr guten Beratern werden Partner ihrer Auftraggeber, Durchschnittsberater bleiben Dienstleister. Agenturen und Unternehmen haben sich in den vergangenen Jahren in ihrer Public Affairs –Kompetenz und ihrer Themenexpertise stark professionalisiert. Mit der de’ge’pol (Deutsche Gesellschaft für Politikberatung) hat sich eine Interessenvertretung etabliert, die längst nicht mehr nur aus Agenturvertretern besteht, sondern daneben ein breites Spektrum von Public Affairs – Verantwortlichen aus Unternehmen, Nichtregierungsorganisationen und Verbänden abbildet. Unternehmen investieren mit zusätzlichen finanziellen und personellen Ressourcen in ihre Public Affairs – Arbeit. Auch die Verbände haben die Zeichen der Zeit erkannt (und die Abgesänge auf sie gehört) und stellen sich Schritt für Schritt auf divergierende Interessen ihrer Mitglieder ein. Temporäre, thematisch ausgerichtete Unternehmensallianzen und –plattformen nehmen in Zahl und manchmal auch in Bedeutung zu. Alle haben gelernt: Aus der „regulatorischen Brandbekämpfung“ ist ein Bewusstsein gewachsen, sich auf politische und gesetzgeberische Vorhaben einzustellen und vorbereitet mit ihnen umzugehen. Agenturen und Beratungen müssen die Themen und Prozesse beherrschen (Pflicht) und ihren Auftraggebern immer wieder Impulse geben, die aus der regelmäßigen Herstellung des Gesamtbildes erwachsen (Kür). Sind wir noch auf dem richtigen Kurs? Haben wir alle Informationen, die wir…

Michael Kellner: Grüne Mitgliederkommunikation – „Nur wer sich ändert, bleibt sich treu“

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Wie könnte politisches Engagement außerhalb von Mitgliederversammlungen und Parteitagen aussehen? Wir Grüne wollen neue Formen der Beteiligung schaffen – online wie auch offline – und damit zu einer Beteiligungspartei neuen Typs werden. Wenn sich die Lebensbedingungen der Menschen ändern, muss sich schließlich auch die Politik ändern. Wir Grünen setzen auf diese Veränderung – denn wir sind ein bunter, munterer Laden, der von seinen Mitgliedern und ihren Beiträgen lebt. So bunt und munter wollen wir auch bleiben – und werfen darum einen Blick darauf, wie Politik noch gehen könnte – und damit in die Zukunft von parteipolitischer Beteiligung. Wenn die CDU den für sie höchst innovativen Vorstoß wagt und ihren Mitgliedern die Möglichkeit geben will, Anträge auf Parteitagen zu stellen, dann könnten wir Grüne darüber lächeln. Für uns ist es selbstverständlich, dass unsere Mitglieder Anträge auf Parteitagen stellen und manchmal verdammt viele. Doch ich finde es gut, weil Parteien sich ändern sollten, damit insgesamt Politik attraktiver wird. Wir Grüne haben einen Demokratievorsprung gegenüber anderen Parteien. Doch auf diesem Vorsprung sollten wir uns nicht ausruhen. Ich möchte ihn ausbauen. Wir Grüne sind ein aufgeweckter Laden: seit unserer Gründung machen unsere Mitglieder mit, wenn es darum geht, die Weichen unserer Politik bei Inhalten und bei personellen Fragen zu stellen. Ob nun bei der Wahl der SpitzenkandidatInnen für die Bundestagswahl, bei der Entscheidung über die Schwerpunktthemen unseres Wahlkampfs oder bei unseren Parteitagen über unser Online-Antragstool: wir Grünen wollen debattieren, wir wollen streiten, wir wollen die für uns richtigen Lösungen finden. Grüne Mitglieder wollen keine Karteileichen sein, denen der politische Kurs einfach vorgeschrieben wird. Sie können und wollen mitmischen und das tun sie zum Glück auch. Dieses Engagement ist das, was uns stark macht und was ich so an meiner Partei schätze. Auch wenn es mal anstrengend sein kann. Viele Mitglieder engagieren sich am wohl…