politnews Sommeredition – Das Grundschulverbot, das keines ist

[ Mit Meldungen zu Gehältern in der Politikberatung, Instagram als Content-Quelle und Spam-Schutz auf WhatsApp ]

Die Sommermonate bringen traditionell die gleichnamigen Interviews mit sich. Ein solches führte die Rheinische Post in der letzten Woche auch mit Carsten Linnemann (CDU), seit 2009 direkt gewählter Bundestagsabgeordneter für Paderborn und seit 2017 Unions-Fraktionsvize. Der 42-Jährige fiel bisher nicht durch überregionale Schlagzeilen auf, was sich nach dem Gespräch aber schlagartig ändern sollte. „CDU-Politiker: Grundschulverbot für Kinder, die kein Deutsch können“ betitelte die dpa ihre Meldung zum Gespräch. Viele Medien übernahmen diese Formulierung, die Entrüstung war demzufolge erwartbar groß. Nur hat Linnemann dieses überhaupt nicht gefordert. Wortwörtlich sagte er: „Um es auf den Punkt zu bringen: Ein Kind, das kaum Deutsch spricht und versteht, hat auf einer Grundschule noch nichts zu suchen. Hier muss eine Vorschulpflicht greifen, notfalls muss seine Einschulung auch zurückgestellt werden.“ Dass das viel Geld kosten wird, aber solche Ausgaben für gute Bildung nötig seien, betonte Linnemann darüber hinaus. Grundsätzlich also zwar in Inhalt und Wortwahl streitbar, aber bildungspolitisch alles andere als ein Tabubruch. In Hessen gibt es seit 2002 flächendeckende Tests und freiwillige Sprachförderkurse, die ab auch 2020 verbindlich werden sollen. Eine Alternative sind parallele Sprachlern- oder Willkommensklassen innerhalb des regulären Schulbetriebs. Linnemann, der direkt nach dem Interview in den Italien-Urlaub aufgebrochen ist, traf die Aufregung überraschend. Im Deutschlandfunk-Interview nahm er Stellung zum medialen Spin.

Unabhängig von der bildungspolitischen Fachdebatte, die damit zweifelsohne wiederbelebt wurde, ist der Fall vor allem ein Anschauungsbeispiel für mediale Empörungsmechanismen und ihre Auswirkungen auf Journalismus und Politik. Sascha Lobo leitete daraus nur bedingt sarkastisch das Drehbuch eines wiederkehrenden Dramas in 15 Akten ab. Dass Redaktionen bewusst verkürzen und zuspitzen, um mehr Reichweite zu generieren, ist kein neuer Trend, vor allem nicht bei Boulevard-Medien. Die dpa als größte Nachrichtenagentur des Landes hat hier jedoch eine Sonderstellung und eine sich daraus ableitende Verantwortung: Sehr viele und reichweitenstarke Medien (von denen viele auch gleichzeitig dpa-Gesellschafter sind) übernehmen die Meldungen der vor 70 Jahren gegründeten Agentur. Oft auch mehr oder weniger unverändert und ungeprüft, u. a. in Form automatisierter Ticker. Eine so einmal in die Welt gesetzte Botschaft kann nur schlecht korrigiert werden, ein Teil der Ursprungsaussage bleibt bei den UserInnen hängen.

Die dpa reagierte dann auch professionell auf die Kritik, änderte die Meldung und entschuldigte sich in Person von Nachrichtenchef Froben Homburger auf Twitter für die unangemessene Zuspitzung.

Mit den besten Grüßen
Philipp Sälhoff


politnews


  • Gehaltsstudie für die Politikberatung – Wie viel verdienen Beschäftigte in Politikberatung und Public Affairs? Die Deutsche Gesellschaft für Politikberatung (de’ge’pol) befragt nach 2015 erneut anonymisiert in diesen Feldern tätige Agenturen, Beratungen und Unternehmen zu ihren Gehaltsstrukturen. Die letzte Umfrage brachte u. a. zutage, dass Frauen in diesem Bereich zu Beginn ihres Berufsleben sogar im Schnitt etwas mehr verdienen als ihre männlichen Kollegen, sich dieses aber mit steigendem Senioritätsgrad deutlich umkehrt. ➡️ de’ge’pol (aktuelle Umfrage) | de’ge’pol (Ergebnisse der Studie von 2015)
  • 33 Artikel über Instagram-Posts pro Tag – Die Facebook-Tochter wird zu einer immer wichtigeren Content-Quelle für JournalistInnen. In einer Stichprobenuntersuchung über einen Zeitraum von zwei Wochen stellte die Medienagentur Jeschenko 464 Artikel fest, die auf Instagram-Posts basieren, das sind im Schnitt 33 am Tag. Die meisten Artikel wurden vom Stern veröffentlicht, thematisch ging es meist um Unterhaltungs- und Lifestyle-Themen. ➡️ t3n (Artikel) | stern.de (Beispielartikel über US-Demokratin)
  • WhatsApp führt neues Warnsystem für virale Nachrichten ein – Politische Kommunikation und demzufolge auch Desinformation verlagert sich zunehmend in Messenger und geschlossene Kommunikationsräume, das sogenannte „Dark Social“. Um seine User auch in diesen Räumen vor potenziellen Falschinformationen zu schützen, will WhatsApp demnächst „oft weitergeleitete “ (mehr als 5 Weiterleitungen) Nachrichten mit zwei statt einem Pfeil kennzeichnen. Diese Kennzeichnung ist keine inhaltliche Wertung der Nachrichten selbst. ➡️ Netzpolitik.org (Artikel)


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Lachend zur Internet-Ikon

Kommunalpolitik ist auch in den USA oft Schmelztiegel der Emotionen. Die Reaktionen eines Zuschauers auf die Störung von Trump-AnhängerInnen bei einer Stadtratssitzung in Tucson, Arizona, sorgte im Netz für helle Begeisterung. Alex Kack wurde damit unter #GreenShirtGuy zur liberalen Ikone und gewann innerhalb weniger Stunden Zehntausende neue Follower dazu. 

16.-17.09.2019 – Konferenz für Verbands- und NGO-Management
Agentur Adverb | Konferenz | Verbandsarbeit | Novotel Berlin Am Tiergarten

Mit zahlreichen Fachvorträgen, Workshops und der direkten Vernetzung mit anderen Verbandsvertretenden bietet die Konferenz Verbands- und NGO-Management im Novotel Berlin Am Tiergarten eine ideale Plattform zum Austausch und lässt Sie praxisnahes Wissen rund um die Zukunft der Verbandswelt erwerben. Ob Interne Kommunikation, Social Web, Campaigning oder Management – Es geht um die spannendsten Themen und Erfolgsrezepte aus der Verbändewelt. Highlight der Konferenz ist die Abendveranstaltung mit Menüfolge im Sofitel Berlin Kurfürstendamm mit Wolfang Bosbach.

Täglich aktuelle Termine finden Sie auf politcal.de – auch bereits vorsortiert für InstitutionenStakeholder und Political Consulting.

EnBW Energie Baden-Württemberg sucht Referent (m/w/d) Politik
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12. August 2019