politnews 2016-49 – Editorial: Behavioral Microtargeting

68 Facebook-Likes eines Users reichen wohl, um vorherzusagen, welche Hautfarbe er hat (95-prozentige Treffsicherheit), ob er homosexuell (88-prozentige Wahrscheinlichkeit) und ob er ein Demokrat oder Republikaner (85 Prozent) ist. Reicht dieses Facebook-Wissen, um Wahlen zu gewinnen? Wenn man den Köpfen von Cambridge Analytica glaubt, dann klappt das sogar sehr effektiv.

Das Magazin, die Wochenendbeilage von vier Tageszeitungen der deutschsprachigen Schweiz, beschreibt, wie ein kleines Team von Cambridge Analytica mit „Behavioral Microtargeting“ und einem Budget von 15 Mio. US-Dollar den Wahlsieg von Donald Trump unterstützte. So wurden beispielsweise am Tag der dritten Präsidentschaftsdebatte zwischen Trump und Clinton 175000 verschiedene Variationen von Trumps Argumenten versendet – für jeden Persönlichkeitstyp war etwas dabei. Auf der Gewinnerseite waren die Anbieter der „Ocean-Methode“ wohl auch schon bei der Brexit-Kampagne.

Es macht Angst, wenn man sich überlegt, wie einfach es Dank Big Data ist, persönliche Befindlichkeiten auszunutzen. Doch es gibt Hoffnung: Die Vernunftbegabung des Menschen ermöglicht Reflexion, sodass nicht jede Botschaft von uns angenommen werden muss. Und jetzt, da die Waffen offen auf dem Tisch liegen, können auch „die Guten“ technisch aufrüsten.

Ihre Dr. Sandra Busch-Janser

Die aktuelle Ausgabe – politnews 2016-49 – Behavioral Microtargeting – gibt’s hier: http://www.politnews.eu

Dr. Sandra Busch-Janser

Dr. Sandra Busch-Janser ist Geschäftsführende Vorsitzende von polisphere. Von 2014-2016 übernahm sie als Chefin vom Dienst für politische Informationsdienste beim Verlag Der Tagesspiegel die Integration des von ihr gegründeten Unternehmens „Berliner Informationsdienst“ in die Verlagsstrukturen und verantwortete dort die Inhalte des Tagesspiegel Politikmonitoring in den Politikfeldern Energiepolitik, Gesundheitspolitik, Netzpolitik und Verkehrspolitik. Bevor sie 2011 mit dem Berliner Informationsdienst Deutschlands ersten politikfeldübergreifenden Monitoring-Service aufbaute, war sie in verschiedenen Funktionen in der Politikberatung tätig. Neben ihrer Funktion als Vorsitzende von polisphere e.V. ist sie als Unternehmensberaterin, Publizistin und Lehrbeauftragte tätig. Nach Abschluss des Studiums der Politikwissenschaft an der Hochschule für Politik München promovierte sie an der Universität Duisburg-Essen.

 

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