Nichtwähler = Wähler im Wartestand

Die Friedrich-Ebert-Stiftung hat sich kurz vor der Bundestagswahl noch einmal die „Nichtwähler“ genauer angeschaut, um festzustellen, ob die gemeinhin als „politik- und demokratieverdrossen“ geltenden Verweigerer dauerhaft für die Parteien verloren sind. Forsa-Chef Manfred Güllner nutzte für die Studie die Daten der Umfragen, die Forsa im Auftrag von RTL und STERN erstellt, und befragte mindestens je 700 Nichtwähler der letzten vier Bundestagswahlen (1998, 2002, 2005 und 2009) sowie 700 Wahlberechtigte, die im September 2013 nicht zur  Bundestagswahl gehen wollen.

Je nachdem wie lange die Befragten bereits wahlabstinent sind, wurden sie in vier Gruppen unterteilt: Dauer-Nichtwähler, Wahlverweigerer, sporadische Nichtwähler und Erst-Nichtwähler. In allen Nichtwählergruppen sind Ostdeutsche ebenso überrepräsentiert und wie die unteren sozialen Schichten. Die gute Nachricht ist aber, dass sich die Mehrheit der Befragten trotz der Wahlverweigerung für Politik interessiert und 57 Prozent das Geschehen in der Politik sogar als sehr wichtig ansehen. Auch die Idee der Demokratie im Vergleich zu anderen Staatsformen findet die Mehrheit der Nichtwähler (85 %) gut. Mehrheitlich sind die befragten Nichtwähler (71 %) auch mit der Demokratie in der Bundesrepublik, so wie sie im Grundgesetz vorgesehen ist, zufrieden. Bei der Befragung zeigt sich auch, dass die Mehrheit der Nichtwähler (77 %) das Wahlrecht trotz ihrer Wahlabstinenz für ein hohes Gut hält. Allerdings glauben nur 24 Prozent aller Nichtwähler, dass man durch die Stimmabgabe bei Wahlen viel oder sogar sehr viel am Gang der Dinge ändern kann.

Wie nun die „Wähler im Wartestand“ wieder für eine Beteiligung an der repräsentativen Demokratie zu gewinnen sind, darauf versucht die Studie ebenfalls Antworten zu geben. Bei der Befragung wurden den Teilnehmern dazu 16 Vorschläge vorgelegt, die sie bewerten konnten. Dabei hat sich gezeigt, dass die große Mehrheit der Nichtwähler (87 %) sich von den Politikern vor allem „ein Ohr für die wirklichen Sorgen und Nöte der Menschen“ wünscht. Insgesamt bündelt die Studie die 16 Aussagen zur Erhöhung der Wahlbereitschaft in sechs Dimensionen.

Hier geht’s zur Studie: http://goo.gl/I2O3Q

Dr. Sandra Busch-Janser

Dr. Sandra Busch-Janser ist Geschäftsführende Vorsitzende von polisphere. Von 2014-2016 übernahm sie als Chefin vom Dienst für politische Informationsdienste beim Verlag Der Tagesspiegel die Integration des von ihr gegründeten Unternehmens "Berliner Informationsdienst" in die Verlagsstrukturen und verantwortete dort die Inhalte des Tagesspiegel Politikmonitoring in den Politikfeldern Energiepolitik, Gesundheitspolitik, Netzpolitik und Verkehrspolitik. Bevor sie 2011 mit dem Berliner Informationsdienst Deutschlands ersten politikfeldübergreifenden Monitoring-Service aufbaute, war sie in verschiedenen Funktionen in der Politikberatung tätig. Neben ihrer Funktion als Vorsitzende von polisphere e.V. ist sie als Unternehmensberaterin, Publizistin und Lehrbeauftragte tätig. Nach Abschluss des Studiums der Politikwissenschaft an der Hochschule für Politik München promovierte sie an der Universität Duisburg-Essen. 

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